Danke, Time!

Das Time Magazine hat mich ausgezeichnet als ‘Person of the Year’. Natürlich nicht nur mich, sondern auch Dich, Dich, Dich und Dich - uns alle, die wir bloggend, surfend, als Leser und Autoren bei Wikipedia, als aktive und passive Nutzer von Myspace und Co. die Netzwelt bevölkern. Näheres:

http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,1569514,00.html

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,455056,00.html

Dass es eine Menge Spaß machen kann,  als Otto Normalblogger hier und anderswo Meinungen, Erlebnisse, Einschätzungen usw. festzuhalten, zu kommentieren, Kommentare zu lesen - das war mir klar. Aber, jedenfalls nach Ansicht von Time, kann man das Ganze auch größer sehen: “Es geht um die vielen, die sich von den wenigen die Macht nehmen; die einander helfen, ohne Geld dafür zu verlangen. Es geht darum, wie dadurch nicht nur die Welt verändert wird, sondern sich auch die Art und Weise verändert, wie sich die Welt ändert.”

Auch wenn sich das für mich ein bisschen zu groß, zu schön anhört um wahr zu sein - sonne ich mich heute mal in dem Gedanken, etwas ganz Besonderes zu sein… ;-)

Lehrer und Innovation

In meiner Studiengruppe (Educational Media) tobt gerade im Forum eine Diskussion über die Frage, als wie innovationsbereit Lehrer einzuschätzen seien. Die Diskussion wurde angeregt von Erfahrungen über große Widerstände, die von einigen Kommillitonen erlebt wurden bezogen auf eLearning und andere moderne Lernformen.

Ich glaube, man muss sich in diesem Zusammenhang auch vor Augen führen, wie umfangreich die Anforderungen an Innovation sind. Eigentlich möchte jede gesellschaftliche Gruppe, dass ihr jeweiliges Thema in der Schule stärker berücksichtigt wird. Wenn der Berliner Innensenator sagt, Gewaltprävention und Konfliktbearbeitung müsse ein wichtiges Thema in der Schule sein, finde ich das ja sehr nachvollziehbar.

Aber er ist ja nicht der Einzige. Zum Beispiel erinnere ich mich an ein Spiegel-Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki vor ein paar Jahren, in dem dieser dazu aufgerufen hat, den schulischen Lesestoff radikal zu reduzieren und ‘auf das Notwendigste zu beschränken’. Konkret hat er dann eine Liste von Literaturempfehlungen genannt, die allerdings um ein Mehrfaches länger war als alles, was mir bisher an Lernstoff im Bereich Literatur bekannt war und also auf eine erhebliche Ausweitung hinauslief.

Arbeitgeber plädieren für ein Fach ‘Wirtschaft’, der naturwissenschaftliche Unterricht müsse gestärkt werden, außerdem natürlich mehr eLearning, mehr soziale Kompetenzen, mehr Theater, mehr eigentlich von allem.  Besonders interessant fand ich neulich die Forderung eines Verkehrsplaners, der sich damit beschäftigt, wie Autofahrer durch falsches Fahrverhalten Staus hervorrufen oder verschlimmern. Er meinte, dass dieses Thema unbedingt schon in der Schule thematisiert werden müsste. (Nicht in der Fahrschule, wohlgemerkt.) Das alles in einem Kontext, wo der normale Alltag bereits eine erhebliche Belastung darstellt. Ich glaube, man muss diese Situation zumindest im Blick haben, wenn man über Innovationen in Schule nachdenkt - und nicht nur das jeweilige eigene Spezialinteresse.

3-2-1

Prof. Kerres, Mediendidaktiker an der Uni Duisburg-Essen, hat ein Modell der Strukturierung medialer Lernangebote entwickelt, mit dem die komplexen Fragen, die bei der Erstellung medialer Angebote relevant sind, anschaulich und verständlich werden: Das 3-2-1-Modell. In Ultra-Kurz-Form steht 3 für Lerninhalte (ihre Darbietung und Organisation - also: Wie wird der Stoff präsentiert, wie wird gelernt?), 2 für den Bereich Kommunikation (sprich: Wie arbeiten die Lernenden zusammen?), 1 der Bereich Test (sprich: Zertifizierungen etc.). Diesen Bereichen werden verschiedene Funktionen zugeordnet. Alles prima - nur eins bleibt mir unklar: Warum wird dem Bereich ‘Test’ die Funktion ‘Motivation’ zugeordnet? Ist das nicht ein bisschen behaviouristisch gedacht?

E-Learning in Finnland

E-Learning ist in Finnland groß im Trend. Momentan werden Breitband-Internetverbindungen auch in ländlichen Regionen geschaffen, und es ist geplant, E-Learning in der Schule erheblich auszubauen. Bei einem Projekt geht es darum, angesichts sinkender Schülerzahlen im ländlichen Raum dennoch den Lernenden eine inhaltliche Bandbreite anzubieten, sprich auch solche Fächer, die von keinem Lehrer der ‘Dorfschule’ abgedeckt werden. Über E-Learning ist es möglich, einige Kurse auch über das Internet zu belegen; das Angebot kleiner Schulen kann dadurch erheblich erweitert werden.

So weit, so schön.

Leider steht die Diskussion über E-Learning auch in dem Zusammenhang der Schließung von kleinen Dorfschulen. Offensichtlich besteht bei einigen Entscheidungsträgern die Vorstellung, mit Hilfe von E-Learning könne man Kosten sparen und diese Schulen praktisch ersetzen. Natürlich sind kleine Schulen teuer; aber auch E-Learning ist insofern teuer, als zu den technischen Kosten viel Manpower erforderlich ist (für Autoren, Content Manager, Tutoren usf.) . Und so glaube ich, dass man Ende wenig bis gar nichts spart. Wichtiger noch: Zu meiner Vorstellung von Lernen gehört der soziale Kontext, also etwa eine Klassengemeinschaft und eine Lehrperson, die das Lernen unterstützt. Dieses Lernen kann durch E-learning ergänzt werden - aber ich bin dagegen, es durch E-Learning zu ersetzen. Auch nicht als Zukunftsvision.

Die berühmten finnischen Schulen

Finnland ist seit ein paar Jahren für die Bildungsdiskussion in Deutschland zu einem geradezu sagenumwobenen Paradies geworden: Über gute PISA-Ergebnisse wurde geschwärmt, eine andere Lernkultur und kleinere Klassen. Durch meine regelmäßigen Besuche in Kristinestad, einer kleinen Gemeinde in West-Finnland, kann ich davon einiges bestätigen, vor allem in den sehr übersichtlichen Dorfschulen, die einen erheblich besseren Personalschlüssel haben, als man das in Deutschland kennt.

So war es interessant, in der letzten Woche den Vortrag der Leiterin des National Board of Education, einer Abteilung des nationalen Bildungsministeriums, zu hören. Zwar seien die Lernergebnisse gut. Aber einer anderen Studie nach geht es finnischen Schülern nicht gut: Sie fühlen sich zu beunruhigenden Prozentzahlen unwohl in der Schule. Überhaupt - so habe ich dieses Mal gehört - sei unklar,  woran die guten PISA-Ergebnisse liegen: Möglicherweise spiele auch die noch aus zaristischen Zeiten stammende eher autoritäre Struktur eine Rolle.

Interessant war für mich jedenfalls, dass ihre Vorschläge sehr weitgehend dem entsprechen, was auch in Deutschland seit ein paar Jahren Kernbestandteile der Schulreformdiskussion sind - vor allem: Öffnung von Schule, mehr Kooperation innerhalb der Schule und ins Gemeinwesen, mehr aktive Beteiligung der Schüler an der Gestaltung des Schullebens.

So ist Finnland eher ein Beispiel für ein Land, das ebenso auf dem Weg ist wie andere Länder und noch keineswegs am Ziel ist.

Zukunftsschulen

Was hat ein Baukonzern mit Schulentwicklung zu tun? Wenig? Nichts?

Reinhard Kahl spricht oft vom Raum als dem ‘dritten Pädagogen’ nach den Lehrern und den Mitschülern. Diesen Grundsatz hat der Konzern Hochtief mit seinem Projekt ‘Zukunftsschulen’ aufgegriffen. Nach eigener Darstellung geht es um Pilotprojekte von Zukunftsschulen, ‘die organisatorische und pädagogische Konzepte mit architektonischen und technischen Fragen verbinden’. (Näheres unter http://www.zukunftsschulen.de/)

Ich finde das einen sehr interessanten Ansatz, zumal viele Reformpädagogen sich dezidierte Gedanken über die räumlichen Bedingungen ihrer Arbeit gemacht haben; so zB auch Freinet, der ja sehr stark den Ansatz der Ateliers entwickelt hat, in denen die Schüler unterschiedliche Werkzeuge vorfinden sollen - ähnlich den Werkstätten der echten Handwerker.

Ein Traum?

Die Schullandschaft in Deutschland ist in Bewegung gekommen, so jedenfalls mein Eindruck. An verschiedenen Ecken und Enden wird intensiv über neue Entwicklungen diskutiert, werden Konzepte entwickelt und Foren veranstaltet. Sei es im Zusammenhang mit der Entwicklung zur Ganztagsschule (in Verbindung mit dem Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung), mit neuen Lernformen, wie sie auf dem Methodenkongress diskutiert wurden, sei es Reinhard Kahl mit seinem Archiv der Zukunft, die Aktivitäten zum Thema SOL oder die BLK-Modellversuche - Demokratie Lernen, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund - usw usw.  In all diesen Projekten geht es darum, an der grundlegenden Architektur schulischen Lernens etwas zu verändern und nicht nur in kleinen Schritten zu denken.

Wie wäre es, wenn all diese Initiativen voneinander wüssten? Wenn es selbstverständlich wäre, dass jede Schule, jeder Lehramtsstudent eine breite Palette dieser Ansätze kennt und - je nach dem besonderen Bedarf - Anleihen nimmt für die je eigene Entwicklung? Ein Traum oder der nächste logische Schritt?

in eigener Sache

Kürzlich bin ich ja von einem anderen Bloganbieter - der ‘Blogecke’ hierher gewechselt - und damit hatte ich wohl den richtigen Riecher: Die Blogecke wird Anfang nächsten Jahres eingestellt….

Grünes Outfit

Passend zum letzten Eintrag dachte ich, dass auch das Outfit dieses Blogs ein bisschen grün vertragen könnte.

Grünes China

“China als globaler Faktor” ist das Schwerpunktthema der ersten Ausgabe von360 Grad. Zunächst einmal: Hut ab vor diesem insgesamt sehr lesenswerten Heft, das ausschließlich von Studierenden verschiedener Unis und Fachrichtungen geschrieben wurde.  Der interdisziplinäre Ansatz gefällt mir besonders: Politik, Wirtschaft, (Zivil-)gesellschaft - und zum Schluss, als Bonbon, noch ein Artikel über die neue chinesische Kunstszene.

Der Text über Umweltinitiativen hat mich besonders interessiert. In China ist Umweltbewusstsein gesellschaftlich nicht sehr stark verankert, und auch von politischer Seite her gibt es erst in letzter Zeit zaghafte Anzeichen dafür, dass etwa die Dramatik des Problems des Klimawandels erkannt und akzeptiert wird. Insofern erstaunt es, dass es in China inzwischen eine große Vielzahl von Umwelt-Initiativen gibt. Einige davon haben den interessanten Titel ‘GONGOs’, die Abkürzung für ‘Government-organized Non-governmental Organizations’. Alles klar?

In einem Land wie China kann man nicht einfach eine NGO gründen. Andererseits kann der Staat auch nicht die verschiedenen Stimmungen und Strömungen in der Bevölkerung ignorieren. Die Lösung liegt in der staatlichen Kontrolle dieser gesellschaftlichen Initiativen, denen teilweise ein staatlicher Funktionär vorsteht, die aber dennoch eine gewisse Autonomie gewonnen haben. Daneben - fast noch erstaunlicher - gibt es mittlerweile eine große Zahl geduldeter NGOs im eigentlichen Sinne und internationale Organisationen wie der WWF, der sogar offiziell von der chinesischen Regierung eingeladen wurde - um China beim Schutz der Pandas zu unterstützen.

Zum Schluss dieses kleinen Werbeblocks noch der Link: www.journal360.de . Bestellt’s, lest’s - 5 Euro sind wirklich ein fairer Preis.