Mehr erleben mit der Deutschen Bahn

Die Bahn ist bekanntlich seit einigen Jahren dabei, sich von einem trägen Staatsunternehmen zu einem modernen Dienstleister weiter zu entwickeln. Dazu gehört eine alle Fasern des Unternehmens durchziehende Service-Initiative, die unter anderem zu der sehr löblichen Entscheidung geführt hat, Fahrgäste im Fall von erheblichen Verspätungen eine Entschädigung zukommen zu lassen.

Von dieser Regelung habe ich neulich nach einer Fahrt nach Polen Gebrauch gemacht: Der Fall war so, dass ich vorhatte, von Berlin über Angermünde und Stettin nach Kamien Pomorski zu fahren, der nächstgelegene Bahnhof von meinem Urlaubsort, von wo das Hotel einen Transfer organisiert hatte. Am Bahnhof Gesundbrunnen erhielt ich dafür auch das nötige Ticket (Online-Tickets gab es wegen der Auslandsverbindung nicht) - oder, besser gesagt, DIE Tickets, denn es mussten zwei ausgestellt werden, für den deutschen und den polnischen Teil der Reise. Nun kam es aber so, dass ich bereits in Angermünde den Anschlusszug verpasst habe. Die Geschichte spielt noch im dicken Schnee Mitte Dezember. Der Zug nach Stettin hatte nicht gewartet, sondern war ungefähr 10 Minuten vor der Ankunft des Zugs aus Berlin abgefahren. Damit war klar, dass ich den Tag zwar noch nach Stettin kommen konnte, aber nicht mehr bis nach Kamien Pomorski. Glücklicherweise konnte ich in Angermünde übers Internet in Stettin ein Hotel buchen für günstige 35 Euro. Letztendlich bin ich also erst am nächsten Tag am Reiseziel angekommen, alles in allem eine Verspätung von gut 18 Stunden plus der notwendigen Übernachtung. Dass ich die erste Nacht bei dem ursprünglich gebuchten Hotel nicht auch noch bezahlen musste, ist nur der Kulanz zu verdanken, eigentlich nicht zu erwarten.

Nun hab ich in das schöne Formular alles eingetragen, alle Quittungen eingelegt, alle Zugnummern abgepinnt und bekomme tatsächlich schon nach zwei Wochen eine Antwort - besser gesagt: drei Antworten. Nun gut, ich gebe zu, einen Moment hab ich gedacht, dass die Bahn vielleicht einen Irrtum zu meinen Gunsten begangen und vielleicht die Gutschrift drei Mal angewiesen haben könnte. Doch weit gefehlt.

Die drei Briefe waren notwendig, weil es sich ja jeweils um einzelne Reiseverträge handelte (warum 3 und nicht 2, weiß ich allerdings auch nicht). Wie auch immer, zwar wurden mir für Berlin-Stettin 170 Minuten Verspätung anerkannt, aber eine Entschädigung war dafür nicht möglich, weil die Reise ja selbst nur 7,50 gekostet hat und die Entschädigung daher unterhalb des Limits liegt, das ausgezahlt wird. Für die folgenden Abschnitte gibt es ebenfalls keine Entschädigung, denn es handelt sich ja um einen neuen Vertrag, und es gibt keine Entschädigung für Reiseketten, wie die Bahn das lyrisch nennt.  Gesamtsumme der Entschädigung daher: 0,00 Euro. Reine Portokosten für diese Information an mich: 1,65 Euro.

Nun verliere ich deswegen natürlich nicht die gute Laune - damit mir das gelingt, muss ich nur einen Moment an das tolle Hotel denken, in dem ich da gelandet bin und das ich hiermit von ganzem Herzen empfehle: Wy und Spa ist der Name, und man fühlt sich vom ersten Moment an großartig, weil all diese Menschen, die dort arbeiten, nichts anderes im Sinn haben als dafür zu sorgen, dass es dem Gast gut geht, und das auch noch zu im Vergleich zu Deutschland sehr moderaten Preisen. Große Empfehlung und hier der Link. 

One Comment

  1. Posted Januar 25, 2011 at 10:13 am | Permalink

    Immerhin erhältst du Antworten. Ich habe bei der Bahn wegen Winterchaos auch einen Antrag auf Erstattung gestellt, der bis heute unbeantowrtet ist - mal sehen, ob wir unser Geld zurück bekommen. Bin eher pessimistisch, aber der tolle Urlaub lässt diesen Ärger auch bei mir vergessen.

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