Allen, die sich mit der Kunst der Pädagogik im allgemeinen und besonderen beschäftigen, kann ich von Herzen Frank McCourt’s Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen ans Herz legen.Ja, es ist der McCourt von “Die Asche meiner Mutter”, und das Buch ist zeitlich gesehen eine Fortsetzung: Es handelt von den grob gerechnet 30 Jahren, die er in den USA als Lehrer gearbeitet hat - also nach der dramatischen Kindheit in Irland, der Übersiedlung in die USA und einer wiederum schwierigen Anfangszeit, die in “Ein rundherum tolles Land” beschrieben wird.
In seinem dritten Buch nun kommt die traurige Kindheit in Irland zwar immer wieder vor, aber nur als Referenz an eine vergangene Zeit. Das Buch liest sich “leicht”, womit nicht flach gemeint ist, sondern ein bestimmter humorvoller, leicht ironischer Tonfall, der sich durch den Text zieht. Wie gelingt es einem Lehrer, Jugendlichen Bildung nahe zu bringen - beispielsweise als Sprachenlehrer so sperrige und unnütze Dinge wie Literatur? Es gelingt McCourt - mit einer Mischung aus menschlicherAufmerksamkeit, einer großen Akzeptanz für die Welt und die Denkweisen seiner Schüler und geradezu eiserner Solidarität mit ihnen, und drittens mit vollkommen unkonventionellen, teils verrückten Ideen, die auch die härteren seiner New YorkerJungs überraschen und so für die Sache gewinnen. Meine Empfehlung!
Dagegen möchte ich hier in aller Form von der Lektüre von Paulo Coelhos Jugendroman “Brida” abraten. Es kommt so harmlos daher als ein Roman über die Suche einer jungen Frau nach der wahren Liebe - und entpuppt sich dann zusehends als, entschuldigt die Wortwahl, gequirlte Scheiße. Es stellt sich heraus, dass Brida eine Hexe ist, weswegen sie auf Geheiß ihrer wissenden Meister seltsame und vollkommen schräge Dinge lernen muss, deren Sinnhaftigkeit sich ihr erst nach langer Zeit, mir aber bis zum Schluss nicht erschließt. Der Text verquirlt Esoterik, Halbwissen über Hexentraditionen mit wahllos zusammengewürftelten Versatzstücken christlicher Überlieferung zu einem Brei aus Halbgarem, Halbgewusstem, Halbgefühltem. Es ist eine Geschichte über die Suche: Aber eine, die nicht zum Selberfinden, Selberentdecken und Selberdenken ermutigt, sondern eine, die das Heil der Suchenden in einer nicht begründbaren und Begründungen nicht erwartenden Parallelwelt verortet, vor dem man Menschen, die wirklich ernsthaft nach Orientierung suchen, nur warnen möchte.
Das erste Buch, das ich weggeschmissen habe.