Der Sohn eines Mitsängers geht in die 6. Klasse einer Berliner Grundschule. Neulich waren wir zur Probe da, und der Junge quälte sich gerade mit den Mathe-Hausaufgaben: Primfaktorzerlegung. Sofort war mein Schulwissen reaktiviert: 2, 3, 5, 7, 11 usw. sind Primzahlen, nur durch sich selbst und 1 teilbar. Jede andere Zahl lässt sich darstellen als eine Multiplikation zweier oder mehrerer Primzahlen. Und so konnte ich, ganz Günther Jauch, ihn austricksen mit der Frage ob 37 eine Primzahl sei oder nicht. Wie nützlich doch Schulwissen ist, wenn es um Schulaufgaben geht! Und wie nutzlos, wenn es um das wahre Leben geht: Seit dieser Situation überlege ich, in welcher Lebenssituation ich als Erwachsener kompetenter agieren konnte, weil ich über Primzahlen so gut Bescheid weiß. Das ist eine schwere Frage. Aber ganz einfach ist die Frage, was mir für das Verständnis der Bedeutung von Zahlen mehr gebracht hat: Mein für Klassenarbeiten relevantes Wissen über Primfaktorzerlegung oder das Mithelfen im Laden meiner Eltern, das Abwiegen und Auszeichnen von Waren, das Aushelfen bei der Inventur und die durchaus elementaren Gespräche darüber, wieviel Kunden und Umsatz man braucht, damit der Laden ein Plus macht. Anders gefragt: Warum muss man eigentlich Lebenszeit damit verbringen, um Primfaktorzerlegung zu lernen?
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One Comment
Hallo Peter,
diese Frage, ob es sinnvoll ist, kann man sich aber bei sehr vielen Dingen stellen: Im Biologieunterricht musste ich mich beispielsweise auch mit Dingen wie Meiose und Mitose herumschlagen, obwohl ich das in meinem bisherigen Leben nie mehr benötigt habe - ganz anders meine Frau, die sich als Biogeographin damit in ihrem Studium wieder beschäftigen musste. Dennoch gehören solche Dinge für mich irgendwie mit zur “Bildung”, wobei dieser Begriff durchaus problematisch zu sehen ist.
Sicherlich steht in den Lehrplänen ganz viel unnützes Zeug, aber meiner Meinung nach müsste eher in der Vermittlung des Unterrichtsstoffes angesetzt werden: Häufig fehlt hier der Anwendungsbezug und die Erläuterung für den Schüler, warum ein bestimmter Sachverhalt wichtig ist.
Just my 2 cents,
Peter