In meiner Studiengruppe (Educational Media) tobt gerade im Forum eine Diskussion über die Frage, als wie innovationsbereit Lehrer einzuschätzen seien. Die Diskussion wurde angeregt von Erfahrungen über große Widerstände, die von einigen Kommillitonen erlebt wurden bezogen auf eLearning und andere moderne Lernformen.
Ich glaube, man muss sich in diesem Zusammenhang auch vor Augen führen, wie umfangreich die Anforderungen an Innovation sind. Eigentlich möchte jede gesellschaftliche Gruppe, dass ihr jeweiliges Thema in der Schule stärker berücksichtigt wird. Wenn der Berliner Innensenator sagt, Gewaltprävention und Konfliktbearbeitung müsse ein wichtiges Thema in der Schule sein, finde ich das ja sehr nachvollziehbar.
Aber er ist ja nicht der Einzige. Zum Beispiel erinnere ich mich an ein Spiegel-Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki vor ein paar Jahren, in dem dieser dazu aufgerufen hat, den schulischen Lesestoff radikal zu reduzieren und ‘auf das Notwendigste zu beschränken’. Konkret hat er dann eine Liste von Literaturempfehlungen genannt, die allerdings um ein Mehrfaches länger war als alles, was mir bisher an Lernstoff im Bereich Literatur bekannt war und also auf eine erhebliche Ausweitung hinauslief.
Arbeitgeber plädieren für ein Fach ‘Wirtschaft’, der naturwissenschaftliche Unterricht müsse gestärkt werden, außerdem natürlich mehr eLearning, mehr soziale Kompetenzen, mehr Theater, mehr eigentlich von allem. Besonders interessant fand ich neulich die Forderung eines Verkehrsplaners, der sich damit beschäftigt, wie Autofahrer durch falsches Fahrverhalten Staus hervorrufen oder verschlimmern. Er meinte, dass dieses Thema unbedingt schon in der Schule thematisiert werden müsste. (Nicht in der Fahrschule, wohlgemerkt.) Das alles in einem Kontext, wo der normale Alltag bereits eine erhebliche Belastung darstellt. Ich glaube, man muss diese Situation zumindest im Blick haben, wenn man über Innovationen in Schule nachdenkt - und nicht nur das jeweilige eigene Spezialinteresse.
One Comment
Lieber Peter
Ich kann deine Ausführungen nur unterstützen. Sie haben auch für die Schweiz Gültigkeit.
Am Beispiel Computereinsatz in der Grundschule lässt sich das gut aufzeigen:
Dass ICT in unserer Gesellschaft einen grossen Stellenwert einnimmt, ist mehrheitlich unbestritten. Klar also, dass das auch in der Schule aufgegriffen werden soll. In der Zwischenzeit haben die Gemeinden auch wirklich in die Technik investiert und Geräte in die Schulzimmer gestellt. Der Irrglaube: Allein schon die Bereitstellung der Computer hat deren sinnvollen und gewinnbringenden Einsatz im Unterricht zur Folge. Dass es aber auch didaktische Schulungen für Lehrkräfte braucht, dafür fehlt dann das Verständnis und das Geld.
Ach ja, die Zeit mit und am Computer darf natürlich auf keinen Fall auf Kosten von wichtigeren Dingen gehen! Wichtiger ist je nach Einstellung und Interessensgruppe alles andere, sowie du das in deinem Text beschreibst.
Innovation braucht auch in der Schule ein klares Konzept und die notwendigen Ressourcen.
Liebe Grüsse
Thomas aus der Zelle