Finnland ist seit ein paar Jahren für die Bildungsdiskussion in Deutschland zu einem geradezu sagenumwobenen Paradies geworden: Über gute PISA-Ergebnisse wurde geschwärmt, eine andere Lernkultur und kleinere Klassen. Durch meine regelmäßigen Besuche in Kristinestad, einer kleinen Gemeinde in West-Finnland, kann ich davon einiges bestätigen, vor allem in den sehr übersichtlichen Dorfschulen, die einen erheblich besseren Personalschlüssel haben, als man das in Deutschland kennt.
So war es interessant, in der letzten Woche den Vortrag der Leiterin des National Board of Education, einer Abteilung des nationalen Bildungsministeriums, zu hören. Zwar seien die Lernergebnisse gut. Aber einer anderen Studie nach geht es finnischen Schülern nicht gut: Sie fühlen sich zu beunruhigenden Prozentzahlen unwohl in der Schule. Überhaupt - so habe ich dieses Mal gehört - sei unklar, woran die guten PISA-Ergebnisse liegen: Möglicherweise spiele auch die noch aus zaristischen Zeiten stammende eher autoritäre Struktur eine Rolle.
Interessant war für mich jedenfalls, dass ihre Vorschläge sehr weitgehend dem entsprechen, was auch in Deutschland seit ein paar Jahren Kernbestandteile der Schulreformdiskussion sind - vor allem: Öffnung von Schule, mehr Kooperation innerhalb der Schule und ins Gemeinwesen, mehr aktive Beteiligung der Schüler an der Gestaltung des Schullebens.
So ist Finnland eher ein Beispiel für ein Land, das ebenso auf dem Weg ist wie andere Länder und noch keineswegs am Ziel ist.
2 Comments
Hallo Peter,
mich würde interessieren, was das “unwohl” hier bedeutet. Leistungsdruck, Gewalt in der Schule?
Grüße
Peter
Hallo Peter, ich kann mich an die genaue Formulierung aus dem Vortrag nicht erinnern; ich denke es hieß etwa so wie ‘they don’t feel well’. Ich habe es so aufgefasst, dass in der Erhebung die Schüler direkt gefragt wurden, wie es ihnen in der Schule geht, also ob sie sich dort wohl fühlen oder nicht. Es wurde leider nicht genauer beschrieben.