China erobert Afrika

Seit ich für 2007 eine Reise nach China plane, hat sich meine Wahrnehmung der Welt geändert: Überall sehe ich Bücher, Veranstaltungen, Ausstellungen usw. über China, ganz zu schweigen von IKEA-Besteck, das in China hergestellt und Anleitungen für technische Geräte, die in China gedruckt werden.

Eine neue Facette habe ich gestern bei einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung kennen gelernt: Chinas seit ein paar Jahren wachsendes Engagement in Afrika. Als ich davon gelesen habe, überwog ganz eindeutig die Sorge: China agiert auf dem Prinzip der Nichteinmischung - was konkret bedeutet, dass die chinesische Führung keine Skrupel damit hat, mit korrupten Diktatoren zusammen zu arbeiten, ohne sie - wie es von westlicher Seite gelegentlich geschieht - mit Forderungen nach Demokratisierung und Einhaltung von Menschenrechten zu belästigen.

Zu dieser düsteren Wahrnehmung kamen gestern jedoch weitere Facetten hinzu: China nimmt die afrikanischen Länder als Partner wahr; Afrika wird von vielen Chinesen und ganz sicher von der Führung als Kontinent der Chancen wahrgenommen, während bei uns das Bild eines Krisenkontintents überwiegt. Aus chinesischer Sicht hat Afrikapolitik eine hohe Priorität, was mit regelmäßigen Reisen der Staatsspitze nach Afrika dokumentiert wird, während bei uns Köhler mit seinem ausgewiesenen Interesse an Afrika relativ allein da steht. Natürlich ist Chinas Engagement interessegeleitet: Es geht um Zugang zu Rohstoffen wie Öl und Mineralien. Aber China engagiert sich auch in rohstoffarmen Ländern. Interessant war auch die These vom chinesischen Sendungsbewusstsein, die Prof. Gu Xuewu (Ruhr-Uni Bochum) vertreten hat: China hat wachsendes Selbstbewusstsein als erfolgreiches Entwicklungsland, dem es gelungen ist, aus einer Situation der Unterentwicklung heraus in die erste Riege aufzusteigen.

Das ändert nichts am Problem des geringen chinesischen Interesses an Umweltfragen, Demokratie und Menschenrechten - diese Themen werden ja auch im eigenen Land nur wenig beachtet. Folgerichtig, so wiederum Prof. Gu, müsste eine Auseinandersetzung über diese Themen zunächst in China selbst anfangen.

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