Gelegenheiten

Zum ersten Mal als Kreuzberger 48 Stunden Neukölln erlebt - es ging ganz gut, es ist ja immer noch zu Fuß zu erreichen. Mein Favorit diesmal: Gelegenheiten e.V. - eine Künstlertruppe, die in einem alten Ladenlokal eine kleine Ausstellung präsentiert haben, die sich um eine Bananenschalenhochhebmaschine gruppierte. Die Maschine stand im Hinterraum, ließ sich durch einen Heimtrainer betreiben und quietschte dabei erbärmlich. Dabei kam es zu einer leichten Auf- und Abbewegung, die über ein sehr festes Kunststoffband und mehrere Ecken in den Eingangsbereich übertragen wurde, wo sich die Bänder verzweigten und jeweils an einem an der Decke hängenden schwarzen Fetzen endeten, die so im gleichen Takt auf- und abbewegt wurden. Wie sich herausstellte, waren die Fetzen geschwärzte Bananenschalen. Kurzum: Alle Zutaten für große Kunst waren beisammen: Ein paar Verrückte, die ihren nicht alltäglichen Ideen trauen; Lust am Spiel und Experiment; und die Entschlossenheit, gegen alle technischen und sozialen Einwände ein Projekt durchzuziehen. Glückwunsch!

Musik!

In der Schöneberger Crellestraße ist ein Chorfest, und natürlich ist der Mannenkoor dabei: um 15:30 an der Crellestraße 46. Mehr infos…   Noch mehr Infos….

Vorsicht, Eigenwerbung!

Das Buch, das ich mit einer Kollegin herausgebe, kommt erst im August in den Buchhandel, ist aber jetzt schon auf allen einschlägigen Websites vertreten. Besonders beeindruckt hat mich diese japanische Seite. Das Buch soll demnach 4.000 Yen kosten. Ich bin gespannt, ob ich irgendwann mal Post von begeisterten oder empörten Lesern aus Japan bekomme.

Ethik

Die Befürworter der Kampagne “Pro Reli” in Berlin haben es geschafft, den Fokus der Diskussion vom eigentlichen Thema abzulenken und auf einen Nebenaspekt zu richten: den der Wahlfreiheit. Auf dieser Grundlage behaupten sie nun, dass die Abstimmung am kommenden Sonntag eine Abstimmung über die Freiheit sei - so als wären im toleranten Berlin gerade grundlegende Freiheitsrechte bedroht. Dieser Schachzug war so geschickt, dass auch die Befürworter von “Pro Ethik” darauf hereingefallen sind und - jedenfalls zu Beginn der Kampagne - weniger über das Fach Ethik geschrieben haben als über einen angeblichen “Wahlzwang”, den man abwehren müsse - ein mehr als schwaches Argument für ein starkes Anliegen.

Denn die Grundidee des Fachs Ethik, wie es der Senat vorschlägt, ist für eine Stadt wie Berlin bestechend:

  • Fragen von Ethik und den Grundlagen des Zusammenlebens werden verbindlicher Bestandteil des Lehrplans: denn evangelischer oder katholischer Religionsunterricht ist für die Sunniten, Aleviten, Shiiten, Buddhisten, Hinduisten, Konfuzianer, ganz zu schweigen von den “Non-believers” natürlich nicht attraktiv und wird daher abgewählt.
  • Ethische Fragen werden so im Klassenverband mit allen Schülerinnen und Schülern diskutiert, unabhängig davon, welche Weltanschauung sie selbst bzw. auch das Lehrpersonal vertreten.

Wenn es also tatsächlich stimmen sollte, dass es kulturell geprägte “Parallelgesellschaften” gibt in einer großen Stadt wie Berlin - dann ist ein Fach wie “Ethik” ein wichtiger Schritt, um Räume des Dialogs zu schaffen. Zum zweiten ist es ein passender Rahmen, um sich über diejenigen Werte zu unterhalten, die die Basis bilden für das gesellschaftliche Leben insgesamt. Drittens bietet das Fach die Möglichkeit, Kernelemente unterschiedlicher Religionen kennen zu lernen - nicht nur der eigenen. Das heißt, dass am Ende mehr Schülerinnen und Schüler als jetzt sich mit Kernaussagen des Christentums befassen als bisher. Wer sich darüber hinaus intensiver mit einer bestimmten Religion beschäftigen möchte, kann dies im konfessionellen Religionsunterricht - oder auch im Rahmen eines konfessionellen Jugendverbands tun.

Ich finde diesen Ansatz überzeugend - und stimme am Sonntag mit “Nein”.

Obama bei der Eigentümerversammlung Wilhelmstraße 48, Berlin

Mr President-Elect hat sich bei einer bejubelten Rede für ein hartes Vorgehen gegen nachlässige Mieter ausgesprochen.

Gefühlssache Revolution

Wie alt wird eine Revolution, bevor sie stirbt? Oder lieber gleich Schritt für Schritt ins Paradies? Ist Musik demokratischer als Geld? Das sind Fragen, denen sich die Volksbühne in dieser Woche in aller Tiefe und Ernsthaftigkeit widmet. Es gibt zwei Aufführungen, am Donnerstag und Freitag, 15./16.01. Nähere Informationen finden sich hier.
Ein kleines Detail am Rande ist, dass Matthias aus dem Mannenkoor, 2 Sängerinnen aus seinem “Chörchen” und ich zwischen ungefähr 100 anderen Sänger/innen und 80 Instrumentalisten irgendwo dazwischen stehen und versuchen, in diesem sehr tiefsinnigen Werke (O-Ton: “Der Wald verfallt in tiefe Briefe”) den richtigen Ton und, wichtiger noch, den richtigen innigen Ausdruck zu treffen.

Meine Empfehlung!

Die Sprache der Bundesrepublik ist…?

Meine Empfehlung für einen Radiobeitrag im Deutschlandfunk über die weise Idee der CDU, “deutsch” als Sprache der Bundesrepublik ins Grundgesetz zu schreiben. Ich muss wirklich sagen, dass ich bisher ohne diese Klarstellung vollkommen orientierungslos vor mich hin geredet habe. Mehr zufällig war auch viel deutsch darunter, ich will fast sagen, dass ich sogar überwiegend deutsch gesprochen habe. Jetzt erst wird mir klar, dass ich dies vollkommen ohne Rechtsgrundlage getan habe. Das ist selbstverständlich ein Zustand, der schleunigst beendet werden muss. Aber pronto!

Bücher: Eine Empfehlung, ein Verriss

Allen, die sich mit der Kunst der Pädagogik im allgemeinen und besonderen beschäftigen, kann ich von Herzen Frank McCourt’s Tag und Nacht und auch im Sommer. Erinnerungen ans Herz legen.Ja, es ist der McCourt von “Die Asche meiner Mutter”, und das Buch ist zeitlich gesehen eine Fortsetzung: Es handelt von den grob gerechnet 30 Jahren, die er in den USA als Lehrer gearbeitet hat - also nach der dramatischen Kindheit in Irland, der Übersiedlung in die USA und einer wiederum schwierigen Anfangszeit, die in “Ein rundherum tolles Land” beschrieben wird.

In seinem dritten Buch nun kommt die traurige Kindheit in Irland zwar immer wieder vor, aber nur als Referenz an eine vergangene Zeit. Das Buch liest sich “leicht”, womit nicht flach gemeint ist, sondern ein bestimmter humorvoller, leicht ironischer Tonfall, der sich durch den Text zieht. Wie gelingt es einem Lehrer, Jugendlichen Bildung nahe zu bringen - beispielsweise als Sprachenlehrer so sperrige und unnütze Dinge wie Literatur? Es gelingt McCourt - mit einer Mischung aus menschlicherAufmerksamkeit, einer großen Akzeptanz für die Welt und die Denkweisen seiner Schüler und geradezu eiserner Solidarität mit ihnen, und drittens mit vollkommen unkonventionellen, teils verrückten Ideen, die auch die härteren seiner New YorkerJungs überraschen und so für die Sache gewinnen. Meine Empfehlung!

Dagegen möchte ich hier in aller Form von der Lektüre von Paulo Coelhos Jugendroman “Brida” abraten. Es kommt so harmlos daher als ein Roman über die Suche einer jungen Frau nach der wahren Liebe - und entpuppt sich dann zusehends als, entschuldigt die Wortwahl, gequirlte Scheiße. Es stellt sich heraus, dass Brida eine Hexe ist, weswegen sie auf Geheiß ihrer wissenden Meister seltsame und vollkommen schräge Dinge lernen muss, deren Sinnhaftigkeit sich ihr erst nach langer Zeit, mir aber bis zum Schluss nicht erschließt. Der Text verquirlt Esoterik, Halbwissen über Hexentraditionen mit wahllos zusammengewürftelten Versatzstücken christlicher Überlieferung zu einem Brei aus Halbgarem, Halbgewusstem, Halbgefühltem. Es ist eine Geschichte über die Suche: Aber eine, die nicht zum Selberfinden, Selberentdecken und Selberdenken ermutigt, sondern eine, die das Heil der Suchenden in einer nicht begründbaren und Begründungen nicht erwartenden Parallelwelt verortet, vor dem man Menschen, die wirklich ernsthaft nach Orientierung suchen, nur warnen möchte.

Das erste Buch, das ich weggeschmissen habe.

Fly me to the moon

Hier geht’s zu dem diesjährigen Beitrag des Mannenkoors und des Prof. Pepper’s Trio zu 48 Stunden Neukölln.

PS: Der Mannenkoor sucht derzeit einen chorerfahrenen Tenor. Interessenten bitte bei mir melden. In dem Fall auch in Zeiten von Gender Mainstreaming ohne großes I ;-)

Ein Bild sagt mehr…

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